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Acht Tage, zwölf Autoren – Literatur in Variationen

Resumee und Bilanz der 16. Laufer Literaturtage

Der dunkelrote Samtvorhang ist abgehängt. Abgebaut ist das Mikrofon, die Bühne, die fast 600 Stühle in der Bertleinschule. Die Gast-Autorinnen und -Autoren sind abgereist. Vor nicht langer Zeit pulsierte noch das literarische Leben in der Bertleinaula. Insgesamt 4730 Zuschauer kamen in der Woche vom 6. bis 13. November 2011 zu den öffentlichen Veranstaltungen, an den Schullesungen nahmen rund 1325 Schüler teil, so dass mit über 6050 eine ausgesprochen positive Gesamtzuschauerzahl zu bilanzieren ist. In der Erinnerung leben Momente des Festivals noch einmal auf.

Was für eine furiose Eröffnung der 16. Literaturtage: Mit schauspielerischer Perfektion zog Sabine Thiesler ihr Publikum bei der szenischen Premierenlesung aus ihrem Thriller „Nachtprinzessin“ in den Sog der Phantasie. Zwei Tage später griff Deutschlands erste Thriller-Autorin Petra Hammesfahr mit einem ebenfalls brillanten Buchvortrag noch einmal in die Krimi-Tastatur. Nachdenklich stimmte Christoph Hein, als er aus seinem Gesellschaftsroman „Weiskerns Nachlass” aufrührende Passagen las und existentielle Fragen nach dem Zustand unserer modernen Welt aufwarf. Sich seines Ruhmes als legendärer Rockpoet bewusst, schlug Wolf Wondratschek reife Töne an und erwies sich als wunderbarer,  feinsinnig ironischer Vorleser seiner Prosa und Lyrik. Größtenteils frei referierend präsentierte Rafael Seligmann anhand seiner Autobiografie ein deutsch-jüdisches Leben mit allen Höhen und Tiefen, ließ Zeitgeschichte Revue passieren und stellte immer wieder neu die Frage nach Identitäten. Authentisch berichtete Günter Wallraff, der von Moderator Reinhold Joppich vom Verlag Kiepenheuer & Witsch begleitet wurde, von seinen jüngsten Recherchen, zeigte mit versteckter Kamera aufgenommene, entlarvende Filmsequenzen und bezog u.a. Stellung zum latent vorhandenen Rassismus.

Mit sonorer Stimme las sie aus ihrem Erzählband „Ungerecht wie die Liebe“ und sang bekannte Songs wie „Die Tänzerin“. Dass man Ulla Meinecke und Reinmar Henschke am Piano um Zugaben bat, wundert niemanden, zählt die deutsche Pop-Poetin und Chansonette doch zu den großen Stars der Szene. Ihren gelungenen Abschluss fanden die Literaturtage mit der politischen Sonntagsmatinee, die der ehemalige Spiegel-Chef Stefan Aust mit einem Rückblick auf Live-Szenen rund um den Berliner 9. November 1989 bestritt.

Das Erzählmusical „Ritter Rost“ mit der hin- und mitreißenden Patricia Prawit alias Burgfräulein Bö brachte genauso wie die Mystery-Lesung von Jürgen Banscherus Kinder und Eltern in Stimmung. Ergänzend sorgten in über 20 Schullesungen Jürgen Banscherus, Anja Tuckermann, Wolf Wondratschek und Nevfel Cumart für Leseförderung.

„Nachhören“ und „nachsehen“ auf www.literaturtage-lauf.de

Wer die Literaturtage 2011 noch einmal auf sich wirken lassen oder sogar neue Aspekte erfahren möchte, dem seien auf der Website www.literaturtage-lauf.de die Fotogalerie unter „Impressionen“, vor allem aber die Audiodateien im Podcast-Bereich empfohlen. Die Autoren zeigten sich im Interview mit den Schülern ausgesprochen auskunftsfreudig.

Und im nächsten Jahr heißt es vom 5. bis 11. November 2012: Bühne frei für neue Autoren mit neuen Büchern.

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