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Kluftinger kam – nicht!

 

Lesung der Krimiautoren Volker Klüpfel und Michael Kobr am 19. Juni war ein voller Erfolg

Kommissar Kluftinger, der eigenwillige Romanheld von inzwischen vier Allgäukrimis, hat sich mit seinen Abenteuern schon eine große Fangemeinde erobert. Inzwischen gibt es Kluftinger-Tatort-Führungen und bald soll eine Verfilmung von Kluftinger-Band „Erntedank“ folgen. Da war es natürlich sehr schade, dass Kommissar Kluftinger am 19. Juni leider nicht persönlich in die Bertleinaula zu einer Lesung seines aktuellen Abenteuers kommen konnte…
Stattdessen hatte er „Ersatz“ geschickt: Der eine war Volker Klüpfel, Kulturredakteur der Augsburger Zeitung, der andere Michael Kobr, von Beruf Realschullehrer für Deutsch und Französisch. Nebenbei sind beide die Erfinder des eigenwilligen Kommissars – die Autoren der kultigen Kluftinger-Krimis.
Beide lasen in einer bis auf den letzten Platz gefüllten Bertleinaula aus ihrem vierten Roman Laienspiel, in dem es Kluftinger mit internationalem Terrorismus zur Zeit der Fußball-EM und, fast noch schlimmer, Österreicher Kollegen und einem Tanzkurs zu tun bekommt – dabei muss er doch für die Festspiele in Altusried proben!

Klüpfel und Kobr lesen nicht, sie schauspielern: Wie Stimmwunder schnattern sie im Allgäuer- oder Österreicher-Dialekt durcheinander, mimen Kluftingers alternde italienische Tanzlehrerin oder schmettern Xavier Naidoo’s „Dieser Weg“ für das Publikum. Hemmungslos nehmen sie sich gegenseitig auf die Schippe. Da wird Volker Klüpfel zu einer um Applaus bettelnden „Diva“, während Michael Kobr eine Niveau-Diskussion um die gelesenen Seiten aus „Laienspiel“ lostritt, die – es war nicht anders zu erwarten – von Volker Klüpfel stammen.

Eine eingeschobene, simulierte Verkaufsschau à la Privatfernsehen machte aus dem Abend zusätzlich eine Lachsalven hervorrufende kabarettreife Leistung und rundete einen herrlich amüsanten Lesungs-Abend ab, der vom Publikum mit Standing Ovations quittiert wurde. So gesehen war es also weiter gar nicht schlimm, dass der Kommissar nicht persönlich erscheinen konnte: Es wäre fraglich gewesen, ob er seine beiden „Väter“ an Witz, Einfallsreichtum und schauspielerischem Talent hätte überbieten können.

(Stephanie Plass, Praktikantin der Stadtbücherei Lauf)

 

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