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Literatur und Inklusion – eine aufrüttelnde Verbindung!

Lesung mit Mirijam Günter, Trägerin des Oldenburger Kinder- und Jugendbuchpreises

Betroffene Stille herrschte in der Laufer Stadtbibliothek, als die preisgekrönte Autorin Mirijam Günter die Lesung aus ihrem Roman “Die Ameisensiedlung“ beendete. Die Schilderung, mit welch katastrophalen Lebensbedingungen die 15-jährige Conny aus der Brennpunktsiedlung, Hauptfigur im Roman, zu kämpfen hat, ging den rund 80 Zuhörer/innen spürbar unter die Haut. Gewalt, Armut, Sucht, Diskriminierung, mangelnde Schulbildung und Arbeitslosigkeit, die für Conny und ihre Clique alltäglich sind, hat wohl kaum einer der vermutlich eher gut situierten Gäste in der Stadtbibliothek je am eigenen Leib erlebt.

„Wie können wir Brücken bauen?“, fragte Moderator Prof. Dr. Hans Wocken und bekannte seine eigene Hilf- und Ratlosigkeit, wie dieser gesellschaftlich beschämenden Ausgrenzung eines wachsenden Anteils der Bevölkerung wirksam zu begegnen sei. Dass ein Grund für die Misere in unserem separierenden Schulsystem zu suchen ist, bestätigte ein Zuhörer, der schilderte, dass sein erster Kontakt zu Hauptschülern erst in der Bundeswehr zustande kam.

Auch wenn „Die Ameisensiedlung“ kein Happy End zu bieten hat, war es Mirijam Günter selbst, die Perspektiven aufzeigte: „Mit 15 ist das Leben noch nicht zu Ende. Man darf niemals seine Träume aufgeben.“ Die Autorin, deren brüchige Biographie eingangs von Beate Hafer-Drescher, Leiterin der Stadtbibliothek, vorgestellt worden war, gehört selbst zu den Vorbildern, denen der soziale Aufstieg gelungen ist.

Bewundernswert und beispielhaft ist Günters Engagement für Jugendliche, die nach wie vor „ganz unten“ sind. In Jugendgefängnissen und Förderschulen bringt sie Jugendliche in Schreibworkshops mit Goethe und Heine in Berührung und animiert diejenigen, deren Leben von „Ameisensiedlungen“ geprägt ist, mit beachtlichem Erfolg, selbst zu schreiben. Berührend war die Kostprobe eines Gedichts junger Strafgefangener, das Mirijam Günter abschließend vortrug.

Der Abend wird vielen Zuhörer/innen nachhaltig in Erinnerung bleiben und es ist zu hoffen, dass Günters Appell, nicht zuzulassen, dass Jugendliche verloren gehen, nicht fruchtlos verhallt. (Ulrike Ruppert/“Gemeinsam Leben – Gemeinsam Lernen“)

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