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Poetry Slam in der Stadtbuecherei Lauf
Poetry Slam in der Stadtbücherei_Foto©Stadtbuecherei Lauf

Rap über Heimat, Religion und Freundschaft

Da ist zum Beispiel Alexandros aus Griechenland, Jamila aus Syrien oder Manuel aus Deutschland. Vor ihrem Auftritt kichern sie, plappern, zappeln herum. Doch auf der Bühne, alleine, zu zweit oder auch zu dritt, erzählen sie von ihrem schönen Haus in Mossul, früher, vor dem Krieg. Sie rappen von Freundschaft, die tief wie Wurzeln sein kann, bedanken sich bei ihren Eltern dafür, dass diese alles tun, damit die Kinder glücklich sind und erzählen, wie die Mutter sie einstmals zur Seite genommen hat, um ihnen zu erklären, dass sie sich auf den langen Weg in ein besseres Leben im fernen Deutschland  machen werden. Oder einfach davon, wie gerne sie auf der Spielkonsole PS4 spielen. Die Texte haben sie selbst verfasst, teils in ihrer Heimatsprache wie Griechisch, Kurdisch oder Arabisch, teils auf Deutsch, so gut sie es bisher gelernt haben.

Mehr über die deutsche Sprache, aber auch wie schwer es sein kann, sich in einer neuen Sprache und Heimat zurechtzufinden, haben sie in den zwei Tagen zuvor in einem Workshop verinnerlicht. Die Kursleiter, das Duo Großraumdichten mit Diplom-Psychologin und Bühnenpoetin Pauline Füg und Tobias Heyel, ebenfalls langjährig als Wortakrobat tätig, bildet „das dienstälteste Slam-Team im deutschsprachigen Raum“. Mehrere Preise, unzählige Teilnahmen an Slam-Meisterschaften und Auftritte für das Goethe-Institut in Lissabon sind das Ergebnis ihrer seit 2005 bestehenden Zusammenarbeit. In ihren Workshops mit Schulen geben beide ihr Wissen und pädagogisches Geschick bundesweit weiter. „Wir mussten klare Ansagen machen, aber dann haben sie sich darauf eingelassen und losgeschrieben“, berichten sie über die Zusammenarbeit mit den Schülerinnen und Schülern in Lauf. Die Lehrkräfte Frau Leykauf und Frau Steffen-von Huene unterstützten den Slam-Workshop im Rahmen des interkulturellen Integrationsprojektes der Stadtbücherei von Anfang an.

Etwa 38 Jugendliche haben an dem Workshop teilgenommen, 20 davon trauen sich schließlich, ihre Poeme vor dem Mikro auch vorzutragen. Den Abschluss macht an diesem Vormittag Mohanad aus Syrien. Der Jugendliche rappt, dass der Beat schon nach wenigen Sekunden alle erfasst. Sein Text handelt davon, dass es viele Religionen gibt, die sich gegenseitig respektieren sollen. „Er hat wirklich Talent und muss unbedingt gefördert werden“, sind auch Pauline Füg und Tobias Heyel begeistert von seinen Fähigkeiten als Rapper, die er auch schon auf dem Videokanal YouTube zeigt. Alle stehen auf und klatschen.

 

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