Home

Spannende Verflechtung

Arne Dahl im Gespräch über seine neue Thriller-Serie

Drei Jahre habe er für seinen neuen Thriller recherchiert, dann sei plötzlich der Moment gekommen, wo das Buch sagte: „Jetzt darfst du mich schreiben“. Der Mann, der seine Arbeitsweise in der ausverkauften Stadtbücherei verschmitzt schmunzelnd preisgibt und sich in sympathischem Understatement übt, heißt Arne Dahl und zählt zu den Großen des Genres. Als eine der wenigen Stationen in Deutschland kam Lauf am 25. April in den Genuss einer Veranstaltung mit dem schwedischen Autor.

Vor zehn Jahren entschied sich Jan Lennart Arnald – so der bürgerliche Name des Literaturwissenschaftlers und promovierten Philosophen -, der in Schweden zu Beginn seiner literarischen Karriere Romane, Gedichte und Erzählungen veröffentlichte, auf das Gebiet der Spannungsliteratur umzuschwenken. Er wolle ein breites Publikum erreichen, erklärte er. Unter dem Pseudonym Arne Dahl erlangte der Krimischriftsteller mit seinen über zehn packenden wie komplexen Romanen um das Stockholmer A-Team schnell weltweite Bekanntheit und spielt inzwischen in derselben Liga wie Henning Mankell.

Auch mit seiner neuen Reihe, die unter dem vorgestellten schlagkräftigen deutschen Titel „Gier“ ihren furiosen Auftakt hat und im März frisch auf den Markt kam, will Arne Dahl die von Eigeninteressen geleiteten Verflechtungen des internationalen Finanzkapitals als bittere Kehrseite der Globalisierung aufzeigen, sekundiert von gleichfalls weltweit agierenden Mafia-Organisationen. Ganze Staaten könn(t)en durch dubiose Machenschaften in den Ruin getrieben werden. Darüber, wie viel Wahrheitsgehalt dem fesselnden Plot von „Gier“ zugrunde liegt, ließ der charmante Autor sein Publikum allerdings mit der witzig-süffisanten Bemerkung im Ungewissen, dies sei genauso geheim, wie eben das länderübergreifende Europol-Team in „Gier“ verdeckt ermittle. Jedenfalls ist ein rasantes Buch mit viel Realitätsnähe entstanden, das man so schnell nicht zur Seite legt. Vorsicht, durchwachte Lektüre-Nächte!

Dass die Besucher in der Bücherei so viel über Jan Arnald alias Arne Dahl erfuhren, war dem Moderator des Abends, dem Arne Dahl-Kenner Norbert Bourgeon vom Norddeutschen Rundfunk, zu verdanken, der genau im richtigen Moment die weiterführenden Stichworte lieferte und nachhakte, wo es notwendig war. Der Schriftsteller, der Deutschland besonders zugetan ist und in Berlin eine Zweitwohnung genommen hat, beantwortete alle Fragen ausführlich auf Deutsch.

Amely Drescher, gut eingeführt als einfühlsame, professionelle Sprecherin, brachte als Vorleserin der deutschen Textpassagen den dramaturgischen Spannungsbogen der rund um den Londoner G20-Gipfel angesiedelten Eingangsszene absolut überzeugend zu Gehör. Alles in allem dank dem perfekt agierenden Dreier-Team auf der Bühne ein gelungener Abend!

 

ZURÜCK
top