Home

Heimat Aserbaidschan beim Erzählvormittag in der Stadtbücherei Lauf
Erzählvormittag in der Stadtbücherei_Foto©Stadtbuecherei Lauf

Von Bergen, Granatäpfeln und der neuen Heimat

„Die Sonne ist auch geflüchtet.“ Tereza lächelt, als sie beim Erzählvormittag von ihrem Heimatland Armenien spricht. Denn eigentlich gebe es dort weniger Wolken als in Deutschland, zurzeit würde es aber viel regnen. Doch die Lebensumstände in dem Binnenstaat am Kaukasus sind alles andere als freundlich. Die Angst vor Verfolgung im Kampf gegen die allgegenwärtige Korruption, Vernachlässigung der Menschenrechte und fehlenden Wohnraum hatten auch Tereza, ihren Mann und den kleinen Sohn aus dem Land getrieben. In hervorragendem Deutsch erzählt die junge Frau, die in Armenien Russisch und Englisch studiert und bereits als Lehrerin gearbeitet hat, von den verschiedenen armenischen Volksgruppen, Religionszugehörigkeiten und traditionellen Speisen. So waren die landestypischen Aprikosen schon in der Antike bekannt, und aus Aprikosenholz wird auch die Flöte Duduk mit ihrem besonderen Klang gebaut, den Tereza auf dem Handy einspielt. Dankbar erzählt die Armenierin von dem warmherzigen Empfang in Deutschland und hofft, mindestens die nächsten Jahre hier leben und ihrem Kind so eine gute Zukunft sichern zu können.

Politisch im Streit um die Karabach-Region liegt Armenien mit dem Nachbarland Aserbaidschan. Dies ist die Heimat einer jungen Frau, die den enormen Unterschied zwischen Arm und Reich anspricht; eine Mittelschicht existiere quasi nicht. Ihr gutes Deutsch hat sie sich wie auch Tereza selbst in der Asylunterkunft beigebracht – zwischen zwei kleinen Kindern und einem kranken Mann. Besonders vermisse sie ihre Heimatstadt Baku, die Hauptstadt des kleinen Landes, aufgrund des hohen Erdölvorkommens auch „Feuerland“ genannt. Zwar fördere der aktuelle Präsident eine rege Bautätigkeit, hätte aber leider die alten, historischen Bauten abreißen lassen. Dann gebe es da aber noch das weltweite Exportgut Granatäpfel, für das Aserbaidschan berühmt sei und aus denen Wein, Saft und Süßigkeiten hergestellt würden.

Im anschließenden Gespräch interessierten sich die deutschen Zuhörerinnen insbesondere für die Unterschiede in der Kindererziehung, für eine mögliche Berufstätigkeit von verheirateten Frauen in den geschilderten Ländern und wie die jungen Frauen das Leben in Deutschland empfänden. –  Eine spannende Begegnung mit Einsichten auf beiden Seiten war das Ergebnis dieser Veranstaltung innerhalb des Integrationsprojektes der Stadtbücherei.

ZURÜCK
top