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Von der Politikerschelte zum Krückstock-Rap

Dieter Hildebrandt zeigte am 3. Juni sein überragendes Können in der bis auf den letzten Platz besetzten Bertleinaula

Wie der informierte Zeitungsleser weiß, überschlagen sich zurzeit wieder die Ereignisse. Dass auch Dieter Hildebrandt nicht zu seinem „eigentlichen“ Programm kam, wie er mehrfach mit blitzenden Augen betonte, weil eine Krise die nächste jagt, gehörte zum Kunstgriff des wahrhaften Großmeisters des politischen Kabaretts. Schließlich zählt unter anderem die Angelegenheit Guttenberg mittlerweile zum alten Eisen und wurde längst zum Beispiel von der Fifa-Affäre überholt, wo das Geld nur so hin-„geblattert“ wurde. Pars pro toto. Eklat für Eklat – Dieter Hildebrandt präsentiert sie alle, die aktuellen Missstände in Politik, Kirche und Gesellschaft.

Mit seinen 84 Jahren ist er ganz auf der Höhe und voll jugendlichen Esprits, scharfsinnig, scharfzüngig und sprachmächtig wie eh und je seit „Scheibenwischers“ Zeiten. – Einfach genial das Ausreizen mit wortartistischen Mitteln, immer an der Sache orientiert, die es zu verdeutlichen gilt. Mehr kann Kabarett nicht leisten: professionell gekonnt mit satirischen Mitteln blitzgescheit Aufklärung üben, so dass sich das Publikum vor Lachen den Bauch hält und doch weiß, eigentlich ist es furchtbar traurig, wie es in der Welt zugeht. Das eigene Altern, selbstironisch kommentiert, wurde natürlich nicht als Thema ausgespart. Ein unüberbietbar komischer Rentner-Rap bildete Schlussakkord des Abends, bei dem Dieter Hildebrandt mit gezücktem Gehstock den Takt angab. Dass der Kabarettist aus innerer Überzeugung und Lebenslust nach ungezählten Höhepunkten auch noch drei Zugaben gab, lag sicher daran, dass ihm sein Auftritt mindestens so viel Vergnügen bereitete wie den Besuchern.

Sicher war uns Dieter Hildebrandt von vielen Fernsehauftritten her bekannt und selbstverständlich wussten wir ihn immer zu schätzen. Aber ein Live-Auftritt ist eben doch etwas vollständig anderes, wie sich in dem zweieinhalbstündigen Bühnenprogramm zunehmend offenbarte. Wir durften ihn erleben.

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